Kohn ist in der Hitlerzeit rechtzeitig aus Galizien entkommen und in die chinesische Volksrepublik eingewandert, in die Partei eingetreten und in prominente Stellung aufgerückt. Als orthodoxer Jude trägt er aber nach wie vor die im Osten üblichen Schläfenlocken.
Einmal kommt ein hoher chinesischer Bonze zu ihm und tadelt: „Herr Kohn, wir sind zwar mit Ihrer Arbeit zufrieden. Aber es gefällt uns nicht, daß Sie als atheistischer Kommunist nach wie vor die Haartracht der

gläubigen Juden tragen.“
Kohn: „Das ist bei mir nicht Frömmigkeit, sondern bloß Gewohnheit und Tradition.“
Bonze: „Wir lehnen aber laut Parteidoktrin auch Traditionen radikal ab. Schauen Sie – wir haben doch auch Jahrtausende lang Zöpfe getragen -, und nun haben wir sie abgeschnitten.“
Kohn klärt lange und meint dann: „Nun ja – aber die Zöpfe waren auch nicht schön!“